Frettchen
Das Frettchen (Mustela putorius furo) ist die domestizierte Form des Europäischen Iltisses und wird seit über 2500 Jahren vom Menschen gehalten, ursprünglich für die Kaninchenjagd und zur Bekämpfung von Nagern.
Überblick
Das Frettchen (Mustela putorius furo) ist die domestizierte Form des Europäischen Iltisses und wird seit über 2500 Jahren vom Menschen gehalten, ursprünglich für die Kaninchenjagd und zur Bekämpfung von Nagern. Heutige Heim-Frettchen sind verspielt, anhänglich, gesellig und anspruchsvoll - sie schlafen über 16 Stunden am Tag, sind in den übrigen Stunden aber wahre Wirbelstürme. Ein Frettchen zu halten ist eher so, als hätte man ein Kätzchen, das nie erwachsen wird, als ein typisches Kleintier.
Naturgeschichte & Herkunft
Um 500 v. Chr. aus dem Europäischen Iltis domestiziert. Griechen und Römer setzten Frettchen zur Kaninchenjagd ein (daher stammt die englische Redewendung "ferret out" für aufstöbern). Das Frettchen blieb bis in die Neuzeit ein Arbeitstier und wurde ab den 1980er-Jahren zum Heimtier.
Aussehen
Erwachsene Tiere: Rüden 1-2 kg, Fähen 0,5-1 kg. Langer, biegsamer Körper (35-50 cm, dazu der Schwanz).
Farb- und Zeichnungsvarianten: Iltisfarben (Sable, natürlich), Albino, Silber, Panda, Schoko, Zimt, Blaze, Mitt und viele weitere.
Wesen & Umgang
Verspielt, verschmitzt, anhänglich. Frettchen binden sich eng an ihre Menschen, fordern Beschäftigung ein und zeigen beim Spielen ihren typischen "Freudentanz" (Kriegstanz).
Frettchen schlafen täglich 14-18 Stunden, sind im Wachzustand aber äußerst aktiv. Die meisten Halter machen ein ganzes Zimmer oder die ganze Wohnung frettchensicher, weil die Tiere jede Lücke, jedes Loch und jeden ungesicherten Schrank finden.
Beißen und Zwicken ist bei Jungtieren häufig und muss abtrainiert werden. Frettchen stehlen und verstecken Gegenstände (ihr Name geht auf das lateinische furittus zurück, "kleiner Dieb").
Haltung
Große Käfige mit mehreren Etagen (im Stil von Ferret Nation oder Critter Nation) - mindestens 80 × 60 cm und 1 m hoch, größer für zwei Frettchen. Die Zeit im Käfig ist zum Schlafen und zur sicheren Unterbringung da; Frettchen brauchen täglich mindestens 4 Stunden beaufsichtigten Freilauf.
Das brauchst du:
- Hängematten (mehrere).
- Verstecke und Röhren.
- Eine Toilettenschale (Frettchen lassen sich zu etwa 80 % stubenrein bekommen).
- Schwere Keramiknäpfe.
Mach Zimmer gründlich frettchensicher. Verschließe alle Lücken über 2,5 cm, sichere Schränke, entferne Gegenstände aus Gummi (werden gefressen und verursachen Darmverschlüsse) und lass Waschmaschinentüren niemals offen stehen (vor dem Einschalten immer hineinschauen).
Ernährung
Strikte Fleischfresser. Frettchen brauchen eine fleischbasierte, eiweißreiche Ernährung - mindestens 30 % Eiweiß, mindestens 18 % Fett, wenig Kohlenhydrate, keine Ballaststoffe.
Möglichkeiten:
- Hochwertiges Frettchen-Trockenfutter mit Huhn oder Pute als erster Zutat.
- Hochwertiges Kittenfutter (akzeptabel, aber weniger ideal).
- Rohfütterung oder Ganzkörperbeute - zunehmend empfohlen; erfordert gründliche Einarbeitung.
Meiden: Hundefutter (zu viele Ballaststoffe), Gemüse und Obst (können sie nicht richtig verdauen), Milchprodukte, zuckrige Leckerlis.
Futter zur freien Verfügung ist normal - Frettchen fressen 8-10 kleine Mahlzeiten am Tag.
Gesundheit & Lebenserwartung
6-10 Jahre (US-Linien leben wegen früher Kastration und Nebennierenproblemen oft kürzer).
Wichtige Themen:
- Nebennierenerkrankung - äußerst häufig, vor allem bei US-Frettchen, die zu jung kastriert wurden. Anzeichen: Haarausfall, Juckreiz, Aggression. Zur Behandlung gehören Deslorelin-Implantate.
- Insulinom - Tumor der Bauchspeicheldrüse, der chronisch niedrigen Blutzucker verursacht.
- Lymphom und andere Krebsarten.
- Zahnerkrankungen - häufig.
- Adenokarzinom.
- ECE (epizootische katarrhalische Enteritis).
- Hitzschlag - Frettchen vertragen keine Temperaturen über 27 °C.
- Staupe - Impfung unverzichtbar.
Suche dir einen Heimtier-Tierarzt mit ausdrücklicher Frettchenerfahrung, bevor du ein Frettchen holst.
Sozialverhalten
Sehr gesellig. Paare werden dringend empfohlen; viele fühlen sich in Gruppen von 3-4 Tieren am wohlsten. Einzelne Frettchen können mit sehr viel menschlicher Zuwendung zurechtkommen, doch die meisten blühen mit Artgenossen auf.
Vor- & Nachteile
Vorteile:
- Verspielt, intelligent, anhänglich.
- Eng an Menschen gebunden.
- Können stubenrein werden.
- Unterhaltsam und urkomisch.
Nachteile:
- Hoher Bewegungs- und Aufsichtsbedarf.
- Erhebliche Gesundheitsprobleme (Nebenniere, Insulinom, Krebs).
- Typischer Moschusgeruch (stärker ohne entfernte Duftdrüsen; auch Frettchen ohne Duftdrüsen riechen).
- Stehlen und verstecken alles.
- Teure Tierarztkosten.
- In manchen Regionen verboten (Kalifornien, Hawaii, New York City).
Am besten geeignet für
- Erwachsene und ältere Kinder (ab 10) unter konsequenter Aufsicht Erwachsener.
- Aktive Haushalte mit täglich mehreren Stunden Zeit für das Tier.
- Haushalte ohne kleine Haustiere (Kaninchen, Hamster, Vögel - Frettchen sind Beutegreifer).
Nicht geeignet für berufstätige Haushalte ohne tägliche Zeit zur Beaufsichtigung, Zuhause mit kleinen Beutetieren oder alle, die nicht auf Geruch und Gesundheitsprobleme vorbereitet sind.
Frettchen - häufige Fragen
Sind Frettchen erlaubt?
Riechen sie?
Sind sie gut mit Kindern?
Vertragen sie sich mit anderen Haustieren?
Wie alt werden Frettchen?
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Tieres wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.