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Bernhardiner

Der Bernhardiner ist ein massiver, sanfter Riese, in den Schweizer Alpen von Augustinermönchen des Hospizes auf dem Großen Sankt Bernhard als Rettungs- und Zughund entwickelt.

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Bernhardiner
Lebenserwartung
8-10 Jahre
Gewicht
65-90+ kg
Kategorie
Hunde
Sprache
Deutsch

Überblick

Der Bernhardiner ist ein massiver, sanfter, schneegewohnter Riese, in den Schweizer Alpen von Augustinermönchen des Hospizes auf dem Großen Sankt Bernhard als Rettungs- und Zughund entwickelt. Die Rasse ist ein echter "sanfter Riese" - anhänglich, geduldig mit Kindern und berühmt für ihre Geschichte der Rettung von Reisenden aus alpinen Schneewehen. Moderne Bernhardiner leisten keine Rettungsarbeit mehr, bleiben aber wunderbare, sabbernde, gemächliche Familienbegleiter mit vorhersehbar kurzer Lebensspanne.

Geschichte & Herkunft

Die Augustinermönche am Hospiz des Großen Sankt Bernhard (einer Zuflucht in den Hochalpen an einer wichtigen Handelsroute durch die Schweiz) hielten ab etwa 1660 große Hunde als Wach- und Begleithunde. Um 1700 halfen die Hunde den Mönchen, von Lawinen und Schneestürmen überraschte Reisende zu finden und zu retten - eine Aufgabe, die sie fast zwei Jahrhunderte erfüllten.

Der berühmteste Rettungshund war Barry, der von 1800 bis 1812 am Hospiz diente und mehr als 40 gerettete Leben zugeschrieben bekommt. Sein präparierter Körper ist im Naturhistorischen Museum in Bern ausgestellt.

Eine Reihe harter Winter in den 1810er Jahren tötete viele Hospizhunde, und Bernhardiner wurden mit Neufundländern gekreuzt, um die Rasse wiederaufzubauen. Die langhaarige Varietät stammt aus dieser Kreuzung. 1880 wurde die Rasse offiziell nach dem Hospiz benannt. Der AKC erkannte den Bernhardiner 1885 an.

Das berühmte "Branntweinfässchen am Hals" für gestrandete Reisende war eine viktorianische Künstler-Erfindung - die Mönche nutzten solche Fässchen nie. Das Bild blieb trotzdem hängen.

Aussehen

Enorm, muskulös, würdevoll. Rüden stehen mindestens 70 cm hoch, typischerweise 75-90 cm; das Gewicht liegt bei 65-90+ kg. Hündinnen sind kleiner, aber immer noch massiv.

Wichtige Merkmale:

  • Fell: zwei Varietäten - Kurzhaar (Stockhaar) und Langhaar. Beide doppelschichtig.
  • Farbe: Weiß mit roten, mahagonifarbenen oder gestromten Abzeichen. Eine dunkle Gesichtsmaske ist typisch.
  • Kopf: massiv, breit, mit mäßig kurzem Fang (nicht flach), ausgeprägtem Stopp und sanftem Ausdruck.
  • Ohren: mittelgroß, hoch angesetzt, anliegend.
  • Augen: mittelgroß, dunkel, mit weichem Ausdruck. Manche Hunde zeigen sichtbare Nickhaut.
  • Rute: lang, breit, tief getragen.

Wesen & Charakter

Ruhig, anhänglich und geduldig. Bernhardiner gehören zu den sanftesten Riesenrassen - typischerweise wunderbar mit Kindern, freundlich zu Fremden und tolerant mit anderen Tieren. Vom Trieb her ist die Rasse kein Wächter; die Größe allein schreckt Eindringlinge ab.

Erwachsene Bernhardiner schlafen den größten Teil des Tages. Sie sind in kurzen Schüben verspielt und den Rest der Zeit würdevoll. Die Rasse bindet sich intensiv an die Familie und mag Alleinsein nicht.

Viele Bernhardiner tragen noch einen Arbeitstrieb zu "retten" - sie ziehen Kinder womöglich aus Pools, treiben Familienmitglieder Richtung Zuhause und werden unruhig, wenn die Familie getrennt ist.

Pflege

Fell & Pflege

Beide Felle sind Arbeit. Bürsten 2-3 Mal pro Woche mit Zupfbürste und Unterwollharke. Täglich während des starken halbjährlichen Fellwechsels. Langhaar-Bernhardiner brauchen zusätzliche Aufmerksamkeit für die Befederung.

Baden alle 6-8 Wochen. Das Doppelfell nie scheren. Gesichtsfalten und die schweren Unterlefzen 2-3 Mal pro Woche auswischen.

Das Sabbern ist stark - deutlich stärker als bei den meisten großen Rassen. Halte Handtücher in jedem Raum bereit. Fliegende Sabberfäden beim Kopfschütteln sind eine Lebenstatsache.

Ohren wöchentlich reinigen. Krallen alle 3 Wochen schneiden (kräftige Krallen). Zähne mehrmals pro Woche putzen.

Bewegung & Aktivität

Bescheiden. Erwachsene brauchen täglich 30-45 Minuten Bewegung - ruhige Spaziergänge, sanftes Spiel. Die Rasse hat Freude an Zughundearbeit, Karrenziehen und kurzen Wanderungen bei kühlem Wetter.

Welpen brauchen streng kontrollierte Bewegung. Kein erzwungenes Laufen, kein Springen, keine Treppen bis 18 Monate. Bei schnell wachsenden Riesenrassen sind Gelenkerkrankungen leicht ausgelöst.

Die Hitzetoleranz ist sehr begrenzt. In warmem Klima ist Klimaanlage unverzichtbar. Lasse einen Bernhardiner nie im geparkten Auto.

Gesundheit & Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 8-10 Jahren.

Häufige Probleme:

  • Hüft- und Ellbogendysplasie - häufig.
  • Magendrehung (GDV) - sehr hohes Risiko.
  • Dilatative Kardiomyopathie.
  • Osteosarkom (Knochenkrebs) - erhöhte Raten.
  • Lidprobleme (Entropium, Ektropium, Cherry Eye).
  • Wobbler-Syndrom.
  • Eosinophile Panostitis - Wachstumsschmerzen bei Welpen.
  • Hitzeunverträglichkeit.
  • Epilepsie.

Fütterung & Ernährung

Erwachsene fressen typischerweise 5-8 Tassen hochwertiges Großrassenfutter pro Tag in zwei oder drei Mahlzeiten. Welpen müssen ein Großrassen-Welpenfutter bekommen, um das Wachstumstempo zu kontrollieren.

Magendrehungs-Prävention: mehrere kleinere Mahlzeiten, keine kräftige Bewegung innerhalb einer Stunde um die Mahlzeiten, Anti-Schling-Näpfe. Viele Halter lassen bei der Kastration eine vorbeugende Gastropexie durchführen.

Halte den Hund schlank. Sichtbare Taille, leicht fühlbare Rippen. Übergewichtige Bernhardiner entwickeln früh Gelenkerkrankungen.

Erziehung & Sozialisierung

Intelligent und führig, aber gemächlich und mitunter stur. Belohnungsbasierte Methoden funktionieren; harte Behandlung lässt die Rasse dichtmachen.

Prioritäten: höfliche Begrüßung (ein Bernhardiner-Welpe überholt Besucher schnell im Gewicht), Leinenmanieren (ein ziehender 80-kg-Hund ist nicht zu halten), Rückruf und "Platz"/"Ruhe". Sozialisiere breit zwischen der 8. und 16. Woche; die Rasse neigt zur Freundlichkeit, doch jeder erwachsene Bernhardiner muss verlässlich ruhig mit Fremden sein.

Dies ist kein Anfängerhund - nicht weil das Wesen schwierig wäre, sondern weil Fehler bei dieser Größe unverzeihlich sind. Trainiere von der Welpenzeit an mit Profi-Begleitung.

Vor- & Nachteile

Vorteile

  • Ruhiger, sanfter, familienergebener Begleiter.
  • Hervorragend mit Kindern.
  • Von Natur aus wachsam ohne Aggression.
  • Markante, geliebte Erscheinung.
  • Zu Zughundearbeit und Karrenziehen fähig.

Nachteile

  • Kurze Lebenserwartung.
  • Starkes Sabbern.
  • Starkes Haaren.
  • Erhebliche erbliche Gesundheitsprobleme.
  • Hitzeunverträglich.
  • Sehr teuer - Futter, Tierarzt, Betten, Transport skalieren mit.

Am besten geeignet für

  • Familien mit Kindern jeden Alters.
  • Kalte oder milde Klimazonen.
  • Halter mit sicherem Außenbereich und hohen Türrahmen.
  • Haushalte, die emotional und finanziell auf eine kurze, teure Haltung vorbereitet sind.
  • Fans von Zughundearbeit und Karrenziehen.

Nicht geeignet für heiße Klimazonen, Wohnungsbewohner, Halter mit knappem Budget oder alle mit geringer Toleranz für Sabber, Haare und Schlabber an den Wänden.

Bernhardiner - häufige Fragen

Trugen Bernhardiner wirklich Branntweinfässchen?
Nein - das Fässchen-Bild war eine viktorianische Erfindung, popularisiert durch Gemälde. Die Mönche nutzten keine Fässchen. Echte Rettungshunde fanden und wärmten gestrandete Reisende.
Sind sie gut mit Kindern?
Herausragend - geduldig, sanft, schützend. Eine der besten Riesenrassen für Familien. Wegen der Größe bei Kleinkindern beaufsichtigen.
Sabbern sie viel?
Stark. Fliegende Sabberfäden beim Kopfschütteln sind tägliche Realität. Halte überall Handtücher bereit.
Wie lange leben sie?
Im Schnitt 8-10 Jahre. Mit Glück, schlankem Gewicht und Herzvorsorge erreichen manche 11-12.
Bernhardiner vs. Neufundländer - wer ist ruhiger?
Beide sind riesige, sanfte Familienrassen. Der Bernhardiner ist etwas größer und sabbert mehr. Der Neufundländer ist wasserorientierter und etwas athletischer. Beide sind hervorragend mit Kindern. Die Wahl hängt oft an Klima (der Bernhardiner liebt Kälte) und Wasserzugang (der Neufundländer blüht daran auf).

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